Gewerbliche Versender schicken heute enorme Warenmengen auf die Reise. In Deutschland liefen 2024 rund 4,29 Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen durch die Netze, das Volumen steigt weiter an. Jede beschädigte Sendung verursacht Zusatzkosten und einen Mehraufwand, oft leidet außerdem die Kundenzufriedenheit. Eine professionelle Verpackung wird damit vom Nebenthema zum strategischen Faktor in Logistik, Vertrieb und Service.
Warum eine sichere Verpackung zentral ist
Im Onlinehandel, im Ersatzteilgeschäft und in der Industrieversorgung entscheidet die Verpackungsqualität über Reklamationsquoten und Durchlaufzeiten. In der Praxis liegt der Anteil beschädigter Sendungen nur im Promillebereich des Gesamtvolumens. Bei Milliarden Paketen im Jahr entsteht daraus trotzdem eine spürbare Zahl an Schadensfällen, die Unternehmen prüfen und regulieren müssen.
Hinzu kommt der Imagefaktor. Unversehrte Ware, saubere Kartons und gut lesbare Etiketten signalisieren Prozesskompetenz. Beschädigte Verpackungen, improvisierte Füllmaterialien oder unklare Kennzeichnung wirken dagegen unprofessionell und erhöhen das Risiko von Auseinandersetzungen über die Haftung und Verantwortlichkeit.
Die passende Verpackung für Produkt und Transportweg
Die Basis bildet eine Versandverpackung, die zur Ware und zur Transportkette passt. Ein dünner Faltkarton für schwere Maschinenteile führt rasch zu Stauchungen, überdimensionierte Kartons für Kleinteile treiben den Füllmaterialbedarf und die Frachtkosten in die Höhe.
Für die Auswahl helfen drei Fragen:
– Wie empfindlich ist die Ware?
– Wie lang ist der Transportweg und wie viele Umschlagpunkte sind zu erwarten?
– Welche klimatischen Bedingungen sind relevant, zum Beispiel Frost oder eine hohe Luftfeuchtigkeit?
Hochwertige Wellpappkartons mit passender Wellenstärke, stabile Transportkisten oder Palettenboxen verteilen Kräfte und schützen Kanten. Für Mehrwegkonzepte im B2B-Umfeld bieten sich robuste Kunststoffbehälter oder Faltboxen an, die sich in geschlossenen Logistikkreisläufen wirtschaftlich nutzen lassen.
Innenleben – Polsterung und Fixierung
Mindestens so wichtig wie der Karton ist das Innenleben. Die Ware darf sich im Karton nur begrenzt bewegen. Bewährt haben sich papierbasierte Hohlraumfüllungen, Luftpolsterfolien mit zurückhaltendem Einsatz sowie Formteile aus Karton oder Schaumstoff für empfindliche Produkte.
Dabei rücken nachhaltige Lösungen stärker in den Fokus. Die neue europäische Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (Verordnung (EU) 2025/40) setzt auf weniger Abfall, eine hohe Recyclingfähigkeit und mehr Wiederverwendung.
Unternehmen profitieren langfristig, wenn die Polstermaterialien sortenrein, gut trennbar und in bestehenden Recyclingsystemen etabliert sind.
Verschließen und Kennzeichnen
Ein sorgfältig gewähltes Verschlusssystem verhindert, dass sich der Karton unterwegs öffnet. Für Standardkartons im Paketversand eignen sich ein leistungsfähiges Klebeband für Versandkartons, dessen Breite und Klebekraft auf die Kartonqualität und das Gewicht abgestimmt sind. Für schwere Güter kommen zusätzliche Umreifungsbänder oder Stretchfolien zum Einsatz, die Paletteneinheiten sichern.
Ebenso wichtig ist eine klare Kennzeichnung. Lesbare Adressetiketten, Barcodes in scanbarer Position und Gefahrgut- oder Bruchgefahr-Symbole unterstützen Paketdienste und Speditionen und verringern Fehlleitungen. Eine moderne Versandsoftware hilft dabei, Sendungsdaten konsistent zu halten, Trackingnummern zuzuordnen und Begleitpapiere automatisiert zu erzeugen.
Rechtliche Vorgaben und aktuelle Entwicklungen
In Deutschland gilt seit 2019 das Verpackungsgesetz (VerpackG) mit Registrierungspflichten im LUCID-Verpackungsregister für alle, die erstmals befüllte Verpackungen gewerblich in Verkehr bringen.
Dazu zählen auch Versand- und Transportverpackungen. Eine fehlende Registrierung kann zu Vertriebsverboten und empfindlichen Bußgeldern führen. Auf europäischer Ebene löst die neue Verordnung (EU) 2025/40 die bisherige Verpackungsrichtlinie ab. Sie verschärft die Anforderungen an die Wiederverwendbarkeit und Recyclingfähigkeit und verpflichtet Unternehmen, Verpackungsabfälle deutlich zu reduzieren.
Für gewerbliche Versender bedeutet das, Verpackungsprozesse sollten frühzeitig auf kreislauffähige Materialien, optimierte Packmuster und geringe Leerräume ausgerichtet werden.
Verpackung als Prozess mit Mehrwert
Eine sichere Verpackung ist mehr als eine Lage Karton und ein Stück Klebeband. Wer Verpackung als eigenen Prozess versteht, senkt Transportschäden, reduziert Reklamationen, erfüllt rechtliche Vorgaben und positioniert das Unternehmen als modernen Logistikpartner. Angesichts steigender Sendungsmengen und neuer EU-Regeln lohnt es sich, Verpackungskonzepte regelmäßig zu überprüfen, Materialien weiterzuentwickeln und Mitarbeitende zu schulen. So entsteht aus dem vermeintlichen Kostenblock ein Wettbewerbsfaktor, der Lieferketten stabilisiert und Kundenerwartungen zuverlässig erfüllt.